Internationale FlinK-Forschung zu Freelancern: 515.000 Euro für die FernUniversität in Hagen

2009-09-23 08:48 von Stephan Kaiser

Hohe Anforderungen an Flexibilität: Immer mehr Erwerbstätige „atypisch“ beschäftigt

Weit über zwei Millionen Menschen arbeiten nach Schätzungen alleine in Deutschland als „Freelancer“, Tendenz steigend. Mit der beruflichen und persönlichen Situation solcher freier Mitarbeiter befasst sich das Forschungsprojekt „Freelancer im Spannungsfeld von Flexibilisierung und Stabilisierung (FlinK)“ in der Medien- und IT-Branche. Zwei Lehrstühle aus Wirtschaftswissenschaft und Psychologie der FernUniversität in Hagen werden zu gleichen Teilen mit fast 515.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem europäischen Sozialfonds gefördert.


Das gesamte Fördervolumen für das dreijährige internationale Verbundprojekt mit Unternehmen und Hochschulen beträgt 767.491 Euro. Die FernUni-Lehrstühle Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Planung (Prof. Dr. Ewald Scherm) und Psychologie des Erwachsenenalters (Prof. Dr. Ingrid Josephs) erforschen darin die individuelle, subjektive Ebene des Freelancers. Hagener Projektleiter ist Privatdozent Dr. Stefan Süß (Lehrstuhl Scherm). Zu den bekanntesten Partnern gehören DJV, ver.di, Deutscher Presseverband, die Gesellschaft für Informatik und Hubert Burda Media sowie Hochschulen in den USA, Neuseeland, Norwegen, Israel und Österreich.

Hohe Anforderungen an Freelancer-Flexibilität

Die zunehmende Flexibilisierung von Unternehmensstrukturen hat viele neue „atypische“ Beschäftigungsverhältnisse zur Folge. Die Beschäftigungsform „Freelance“ z.B. stellt an die individuelle Flexibilität sehr hohe Anforderungen, durch die Berufs- und Privatleben an Stabilität verlieren. Aus diesem Spannungsverhältnis – berufliche Flexibilisierung auf der einen, Wunsch nach persönlicher und beruflicher Stabilität auf der anderen Seite – ergibt sich einer der beiden Forschungsbereiche der FernUni-Wirtschaftswissenschaftler: Wie empfinden Freelancer ihre Beschäftigungsform? Wie identifizieren sie sich mit dem Auftraggeber? Wie ist ihre Arbeitszufriedenheit? Stehen Arbeit und Privatleben im Einklang?


Der zweite ökonomische Forschungsbereich befasst sich mit dem Missverhältnis von notwendiger ständiger Aktualisierung der Freelancer-Kompetenzen und tatsächlicher Teilnahme an Weiterbildung.


Den Hagener Psychologen geht es um berufliche Identität, Motivation und Persönlichkeit bei älteren Freelancern. Die hohen Anforderungen an ihre Flexibilität wirken sich insbesondere in Arbeitsfeldern aus, die wenig identitätsstiftende und -stabilisierende Orientierung bieten und in denen häufig der Job gewechselt wird. Das macht besonders „älteren" Freelancer zu schaffen, weil ihr Bedürfnis nach Stabilität und Erhalt „des Erreichten“ steigt. Was dem einen bedrohlich erscheint ist jedoch für andere eine willkommene Herausforderung. Erforscht werden soll z. B., wie Freunde, Familie oder das Bild von sich selbst dazu beitragen können, die besonderen Anforderungen und Probleme des Berufs zu kompensieren.


Die Analyse auf der Unternehmensebene erfolgt durch die Wissenschaftliche Hochschule Lahr, deren Prof. Dr. Stephan Kaiser, Lehrstuhl für ABWL, Personalmanagement und Organisation, Konsortialführer des Verbundprojektes ist. Internationale Forschungspartner sind die Massey University (Auckland, Neuseeland), die Tel Aviv University, die Wirtschaftsuniversität Wien, die Norwegian School of Economics and Business Administration (Bergen), und die Clark University, Worcester (USA).

Interessenvertreter von Journalisten, Medienunternehmen, IT-Branche und Verbänden dabei

Transferpartner sind u. a. die Gesellschaft für Informatik e.V., die DGFP Deutsche Gesellschaft für Personalführung, der Deutsche Presseverband, der Deutsche Journalistenverband DJV, die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), die Wirtschaftsförderung Hagen GmbH, die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di, Referat Selbstständige) und die „mediafon“ Selbstständigenberatung. Als Multiplikatoren sollen sie Projektergebnisse der Öffentlichkeit bzw. ihrer jeweiligen Klientel zugänglich machen und Kontakte zu Freelancern vermitteln, die interviewt bzw. befragt werden.


Die Praxispartner Peperoni Mobile & Internet Software GmbH, Hays AG, Hubert Burda Media, IDS Scheer, Amasol AG u.a. vermitteln ebenfalls Interview-Kontakte zu Freelancern. Außerdem ermöglichen sie Forschung im Unternehmen.

Hinweis für die Redaktionen:

Für inhaltliche Fragen steht Ihnen Prof. Dr. Stefan Süß, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Personal, Tel.: +49  (0) 211 / 81-13995, Mail: stefan.suess@uni-duesseldorf.de, gerne zur Verfügung

Ausführliche Informationen:

http://www.fernuni-hagen.de/universitaet/aktuelles/2009/09/21-am-flink.shtml (Langfassung der Medieninformation)
www.flink-projekt.de ; http://www.fernuni-hagen.de/scherm/forschung/bmbf_flink.shtml

 

Hier finden Sie den Beitrag in der Südwestfälischen Wirtschaft:

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